Malerdorfpokal: Konrad mit Pokalsieg, Timo Glaser mit Bahnrekord
Die diesjährigen Deutschen Minigolfmeisterschaften im System Cobigolf wurden auf der Kleincobigolf-Anlage in Karlsruhe-Grötzingen ausgerichtet. 12 blau-goldene Essener traten die Reise in den Süden Deutschlands an. Traditionell wurde das Pokalturnier des ausrichtenden Vereins am Wochenende vor den Meisterschaften veranstaltet. Der CGC Blau-Gelb Grötzingen freute sich über 100 (einhundert!) Teilnehmer und Teilnehmerinnen und motivierte die anreisenden Sportler sich auf die beiden Spieltage aufzuteilen. Auch am Turniermodus des Malerdorfpokals wurde geschraubt. Die Mannschaftsstärke wurde auf drei Spielende ohne Streichergebnis reduziert. Auf die Teilnahme von Spielgemeinschaften, dem Ausrichter auf Auswärtsturnieren oft ein Dorn im Auge, wurde verzichtet. Aus Angst das Turnier kürzen zu müssen, wurde im Vorfeld auch die Rundenanzahl auf drei Runden reduziert. Den Essenern war der Trainingsrückstand anzumerken. Sie blieben größtenteils blass und überließen die große Bühne anderen Akteuren. Einzige Ausnahme stellte Konrad Peithmann dar, der trotz wenig Trainingsmöglichkeiten und ohne Erfahrungen aus den Vorjahren mit einem guten 26,7er Schnitt den Turniersieg in der Alterskategorie Senioren I und seinen ersten Pokalsieg perfekt machen konnte. Das beste Turnierergebnis spielte allerdings Timo Glaser für den MSC Schriesheim in der Herrenkategorie, der seine Favoritenrolle unterstrich und ein erstes Ausrufezeichen für die anstehenden Meisterschaften setzte. Der ehemalige Grötzinger brauchte für die drei Runden nur 71 Schläge (23,7er Schnitt) und vermittelte den Eindruck, dass die Grötzinger Anlage große Ähnlichkeiten zur Vogelheimer Anlage hat, auf der er im Vorjahr die Vizemeisterschaft gewann. In der dritten Runde stellte er erneut den Bahnenrekord von 20 Schlägen ein.
Der Freischlag sorgt für Diskussionen
Doch ist die Anlage wirklich so einfach, wie Timos Ergebnis suggerierte? Die klare Antwort lautet: nein. Zwar besitzen viele der Grötzinger Bahnen klar definierte Endkreiszüge, anders als beispielsweise in Groß-Umstadt. Doch die trichterartigen Vogelheimer Endkreise fehlen komplett. Darüber hinaus sind viele Hindernisse nur sehr schwer herausspielbar. Das Ballmaterial und der Schlag müssen perfekt stimmen, ansonsten können schnell Fehler entstehen, wie es beispielsweise am Käfig oder der Mensch ärgere dich nicht der Fall ist. Timo Glaser spielte einfach ein sehr gutes Turnier. Sein zweitplatzierter Mannschaftskamerad Markus Schmälzle benötigte sechs Schläge mehr für die drei Runden. Die Frage, ob die Anlage im Zuge der Renovierungsarbeiten gegenüber der letzten Jahre einfacher geworden ist, ließ sich dagegen nicht so einfach beantworten. Die Stufen der Treppe wurden fast gänzlich zugespachtelt – hier verklapperte nichts mehr. Und dann ist da noch der Freischlag, der viele Gemüter erzürnte. Tagelang arbeiteten die Grötzinger an der Bahn. Das Abschlagplateau wurde abgebaut und ein Rasen neu verlegt. Bestand der Endkreis zuvor aus zwei halben Endkreisplatten, wurden diese komplett entfernt. Dafür mischten und kippten die Grötzinger Beton in das große Loch und ließen einen flachen Trichter entstehen, dessen Höhenunterschied zwischen Rand und Loch nur 1,5 cm beträgt. Schnell zeigte sich, dass normale Bälle trotz des Gefälles sehr gerne liegen blieben. Neben einem weniger deutlich ausgeprägtem Gefälle ist auch der Rand zum Freischlagnetz anders als beispielsweise in Vogelheim: er ist noch flacher und wenig zum Endkreis geneigt, sodass auch hier Bälle liegen bleiben können oder am Endkreis vorbei Richtung Grenzlinie ziehen. Als Übergang von der Rasenfläche zum Endkreis verlegten die Grötzinger zwei gebogene Metallwinkel, durch die bereits zum Malerdorfpokal (Glas-)Steine versprangen und weitere Diskussionen auslösten. Die Grötzinger waren nach dem Malerdorfpokal gezwungen, die Bahn zu reparieren, da sich jemand unsportlich und respektlos zu einer Sachbeschädigung hinreißen ließ und die Metallschienen abriss. Was sich diese Chaoten dabei gedacht haben (und ob überhaupt), bleibt fraglich. Die Schienen wurden erneut montiert und auch auf der DM wie auf dem Pokalturnier gespielt.
Grötzinger Herzlichkeit
Die Gastfreundschaft der Grötzinger hatte das nicht verdient. Die ganze Woche standen die Mitglieder des Vereins im Getränkewagen, am Grill, im Kiosk, am Kuchen- und Brötchenstand und bewirteten ihre Gäste wie Könige, reinigten das Geschirr, räumten auf und hielten alles in Schuss. Nur selten sah man sie auf der Anlage beim Training, hatten sie doch alle Hände voll zu tun. Unterstützung erhielten sie auch von Menschen, die nicht direkt dem Verein angehören, aber von Nah und Fern anreisten, und sich trotzdem aufopferungsvoll einsetzten und mithalfen. Das zeichnet die Cobigolf-Familie aus. Bei sommerlichen Temperaturen wurde auch für ein ausgiebiges Rahmenprogramm gesorgt. Montag wurde Bingo gespielt, mit den Jugendlichen wurde nach einer Trainingsrunde Eis gegessen, ein Kreuzworträtsel sowie ein „Glatzenspiel“ wurden veranstaltet. Die Stimmung war gut, die Deutschen Meisterschaften konnten starten. Mittwoch war es dann soweit. Federführend eröffnete DCV-Präsidentin Sarah Böse die DM. 94 Spielende nahmen an den Meisterschaften dieses Jahr teil. Aufgrund der gestrichenen Finalrunde 2024 und einem DMV-Antrag, der eine Cut-Regelung bereits während des Turniers und damit einen Kahlschlag ab Tag 2 nach sich gezogen hätte, wurde alternativ eine Rundenreduktion in Abhängigkeit der Teilnehmendenzahl eingefügt. Bei so vielen Teilnehmenden sollten vier Runden am ersten, drei am zweiten und noch einmal eine sowie eine Finalrunde am dritten Tag gespielt werden. Eine Plane wurde zwischen Bahn 1 und 3 gespannt, die ein flüssiges Durchspielen ohne Behinderung der Gruppen untereinander erlauben sollte. Schon Donnerstagmorgens, zum Start um 8 Uhr, lag die Temperatur bei über 20 °C. Sie sollten tagsüber bis auf 37 °C ansteigen.
Jugendkategorien
Die Entscheidungen in den Jugendkategorien waren im Vorfeld aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen bereits größtenteils gefallen, einzig Ash Peithmann musste in der Kategorie Jugend weiblich gegen Anna-Lena Gut bestehen. Wie im Vorjahr konnte sich Ash gegen sie durchsetzen. Dabei spielte Ash mit zwei 28er und einer 25 drei tolle Runden und konnt einen 46 Schläge großen Vorsprung erzielen.
Seniorinnen II
Ohne Anita Stamm, die im letzten Jahr den ersten Platz bei der Heim-DM in der Kategorie Sw II erzielen konnte, waren die Blau-Goldenen dieses Jahr ohne Beteiligung in dieser Kategorie. Brigitte Waßmer vom BSV Inzlingen konnte sich gegenüber Ingrig Mayr aus Waldshut durchsetzen. Einen Achtungserfolg konnte Dorothea Preuß erzielen, die sich die Bronzemedaille erspielte.
Seniorinnen I
Wie im Vorjahr trat Nicole Warnecke bei den Seniorinnen I an, dieses Mal ohne eine Weltmeisterschaft kurz zuvor gespielt zu haben. Mit Spannung wurde erwartet, ob es zu einem ernsten Titelkampf kommen würde. In der Tat musste Warnecke dieses Jahr den Kürzeren ziehen. Beatriz Grüßinger konnte sich in einem spannenden Zweikampf durchsetzen. Kurz vor Schluss konnte sie eine 23 von Nicole Warnecke mit einer 22 kontern und so auf die Zielgrade einschlagen. Jenifer Warnecke belegte den dritten Platz. Susanne Berneit, die sich auf der Sportwartevollversammlung des DMV tatkräftig für die Cobigolfer einsetzte, spielte dieses Jahr sogar die DM mit und verpasste die Finalrunde knapp. Andrea Peithmann konnte den sechsten Platz erspielen.
Senioren II
Spannende Wettkämpfe bot die zahlenmäßig größte Spielgruppe der Senioren II. Mit Ralf Schmidt-Hess, Udo Sternemann, Bernhard Kreutter, Karlheinz Gerwert, Jürgen Summ und Willi Hettrich traten viele Herren an, die in den letzten Jahren stets um den Titel spielten. Nach seinem Sieg musste man aber auch Bertold Großmann auf dem Schirm haben. Am Schluss konnte der ehemalige Grötzinger Ralf Schmidt-Hess den Sieg für sich verzeichnen, der mit insgesamt 228 Schlägen das zweitbeste Turnierergebnis spielte und 12 Schläge Vorsprung auf seinen zweitplatzierten Mannschaftskameraden Karlheinz Gerwert herausspielen. Auf dem dritten Platz landete Jürgen Summ. Kurios: alle drei benötigten in der ersten Runde 28 oder 29 Schläge für ihre Starterrunde und fanden erst später besser ins Turnier. Während Bertold Großmann vom MGC Sulzfeld Achter wurde, konnte Dirk Mühling vom 1. Essener CGC nach einer Achterbahn der Gefühle (Ergebnisse zwischen 25 und 36 Schlägen) 14. werden. Auf Platz 25 schloss Herbert Adam das Turnier ab, der wie in der restlichen Saison sehr konstant spielte (Amplitude 4). Einzig die richtig guten Ergebnisse wollten ihm nicht gelingen. Walther Raffler war auch mit von der Partie 🙂
Senioren I
Nach dem zweiten Spieltag mussten die Handbücher studiert werden. Was passiert, wenn die ersten vierplatzierten Senioren alle schlaggleich sein würden? Konrad Peithmann, Christian Weigl, Wolfgang Schuster und Thomas Barke lagen gleichauf. Leider schaffte es Konrad nicht an seine letzten Runden (dreifach 25) anzuknüpfen und zog nach tollem Turnier nicht ins Finale ein. Thomas Barke hatte in der Finalrunde trotz schwächerer 28er Runde das glücklichere Händchen und konnte den Sieg festmachen. Günny Reinhardt wurde 14. und Mario Barke landete auf Platz 22.
Damen
Die CGV Damen wurden selbstverständlich auch in diesem Jahr als große Favoritinnen gehandelt und enttäuschten nicht. Nachdem Melanie Willfroth in den ersten sechs Runden fünfmal 27 spielte, legte sie den Grundstein für ihren späteren Sieg. Die 23 in der vorletzten Runde reichte, um sich wie im Vorjahr von Stefanie Tomkowith abzusetzen. Bronze konnte unsere Melanie Menzel gewinnen, die sich deutlich vom Verfolgerfeld, angeführt von Nicole Zornstein, absetzen konnte.
Herren
Mit Spannung wurde erwartet, ob Timo Glaser nahtlos an seine Ergebnisse vom Malerdorfpokal anknüpfen würde und ob seine Schriesheimer Teamkollegen ins Meisterschaftsrennen eingreifen würden. In der ersten Runde setzte Michel Zazzi allerdings mit einer 20 ein dickes Ausrufezeichen. Plötzlich war der Vorjahressieger obenauf, unterstrich seine Trainingsergebnisse und Lernkurve der Trainingstage. Auch Dustin Raffler griff die Spitze mit einer 21 an und setzte sich wie Markus Schmälzle oben fest. Timo Glaser gelang eine 23 und eine 25 in Runde 6 – zu wenig um ganz vorne mitspielen zu können. Der zweite Tag gehörte Dustin Raffler, nach einer 73 auf drei Runden. Markus Schmälzle konnte das Tempo nicht halten. In die Finalrunde zogen neben Dustin Raffler noch Michel Zazzi und Julian Guddat vom BGV Bergisch Land ein. Dustin Raffler konnte seinen Vorsprung runterspielen und spielte mit 227 Schlägen das beste Turnierergebnis. In einem spannenden Finale um Platz 2 konnte Michel Zazzi Julian noch abfangen und den Doppelsieg der Blau-Goldenen perfekt machen.
Herren-Mannschaften
Im Vorfeld überraschte Sportwart Dustin Raffler mit seiner Aufstellung, da er Dirk Mühling als fünften Spieler aufstellte. Eine Entscheidung, mit der er ein glücklichere Händchen bewies. Durch drei gute Runden konnte Dirk einen Beitrag zum Mannschaftsergebnis leisten. Am Ende konnten die Essener ihren Mannschaftstitel in der Ferne verteidigen und den Überraschungssieg perfekt machen! Selbstverständlich war das nicht, wurde die Favoritenrolle doch dem MC Schriesheim zugesprochen, die um Timo Glaser das bessere Knowhow und durch die lokale Nähe zur Anlage mehr Trainingsmöglichkeiten hatten. Zwischenzeitlich sah es auch nicht all zu gut für die Vogelheimer aus, die nach dem ersten Tag bereits 15 Schläge zurücklagen. Mit einer tollen fünften Runde (102 Schläge) nutzte das Team den Schriesheimer Ausrutscher (116) und pulverisierte den Abstand fast komplett. Mit nur einem Schlag Vorsprung starteten die Essener in die letzte Mannschaftsrunde. Während Essens Topspieler schwächelten (Raffler 29, Zazzi und Konrad Peithmann 28) und Dirk Mühlings 32 gestrichen wurde, gehörte die letzte Mannschaftsrunde Esseners „Sechs“, Jan Peithmann. Das Turnier lief weitestgehend am Youngster vorbei. Durch seine tolle 24 spielte er eine eigene Finalrunde und zementierte den Sieg. Am Schluss konnten die Essener den Vorsprung auf fünf Zähler ausbauen. Die Bronzemedaille ging an den BGV Bergisch Land.
Damen-Mannschaften
Same procedure as every year: der CGV Hamm sucht weiterhin nach Konkurrenz und gewann auch in diesem Jahr die Meisterschaft. Die Essener Damen wurden ohne Streicherin Zweite und konnten die Gastgeberinnen des CGC Blau-Gelb Grötzingen hinter sich lassen.
Senioren-Mannschaften
Auch hier konnten die Favoriten des MGF Waldshut um Ralf-Schmidt Hess gewinnen und ließen der zweitplatzierten Mannschaft des BSV Inzlingen trotz drei Finalisten keinerlei Chancen (22 Schläge Vorsprung). Der dritte Platz ging an das Team des MGC Sulzfeld.
Abschluss
Das waren die Deutschen Meisterschaften 2025! Einen Abschluss fand das Turnier beim Italiener und bei gutem (und ausreichendem) Essen. Getanzt wurde dieses Jahr auch wieder! Ärgerlich für die Gastgeber war allerdings, dass einige Sportfreunde scheinbar nicht ihren Deckel bezahlt haben und so dem CGC Blau-Gelb Grötzingen eine dicke Abschlussrechnung aufgebrummt werden musste. Falls sich jemand angesprochen fühlen sollte: seid so sportlich, kontaktiert bitte die Grötzinger und zahlt eure Zeche selbst. Die nächsten Meisterschaften werden erstmalig seit 2007 wieder in Kellmünz ausgerichtet, wo die Karten neu gemischt werden.
